Manjaro-Tutorial: Welches Linux ist das beste für Java-Entwickler?

In meinem ersten Artikel „Setup eines Root-Servers mit Ansible“ habe ich erwähnt, dass ich seit Jahrzehnten zufriedener Windows-User bin. Doch vor ein paar Wochen ergab sich folgendes Problem: Ich wollte Project Loom ausprobieren, eine implementierung leichtgewichtiger Threads („Fibers“) und Continuations in Java.

Das Projekt steckt noch in der Entwicklungsphase und kann nur als Quellcode heruntergeladen werden. Leider ist es mir nicht gelungen es ohne weiteres auf Windows zu kompilieren, auch nicht im Linux-Subsystem. Der Installer erkennt, dass er unter Windows läuft und verwendet daher die Windows-Verzeichnisstruktur und sucht nach einer java.exe. Klar, der Installer liegt auch im Quelltext vor, und ich hätte ihn anpassen können.

Andererseits habe ich schon länger mit dem Gedanken gespielt mich für eine Weile intensiv mit Linux auf dem Desktop auseinanderzusetzen. Dies würde mir auch den Overhead des Linux-Subsystems, der MobyLinuxVM für Docker, Putty, etc… ersparen.

Es galt zunächst folgende Fragen zu beantworten:

  • Ist die Software, mit der ich arbeite, für Linux verfügbar?
  • Welche Linux Distribution soll ich installieren?
  • Welches Desktop Environment?
  • Und auf welcher Hardware installiere ich es?

Ist meine Software für Linux verfügbar?

Hauptsächlich verwende ich folgende Programme:

  • Chrome – gibt es in einer inoffiziellen Variante, diese ist jedoch ziemlich instabil; als Chrome-Alternative für Linux steht Chromium zur Verfügung
  • Eclipse und IntelliJ – verfügbar
  • Slack – verfügbar
  • OBS und Davinci Resolve (Videobearbeitung) – verfügbar
  • GIMP (Bildbearbeitung) – verfügbar
  • Docker – verfügbar; läuft unter Windows ohnehin in einer Linux VM
  • Ansible – verfügbar; läuft im Windows 10 Linux Subsystem
  • Git – verfügbar
  • TortoiseGit (Explorer-Integration für Git) – nicht verfügbar, es gibt allerdings zahlreiche Linux-Alternativen, z. B. SmartGit oder GitKraken
  • MySQL, PostgreSQL, Elasticsearch – verfügbar
  • Putty (SSL Client) – benötige ich unter Linux nicht

Auswahl einer Linux Distribution

Serverseitig verwende ich Debian. Es wäre also naheliegend auch auf dem Client Debian einzusetzen. Andererseits möchte ich gerne einmal etwas neues ausprobieren. Es sollte eine einigermaßen weit verbreitete Distribution sein. Bei Exoten hat man immer das Problem, dass die Community klein ist und dass das Vorhandensein von Bugs wahrscheinlicher ist (weil einfach weniger User da sind, um sie zu finden).

Entwickler empfehlen häufig und gerne Arch Linux oder das aktuell ziemlich gehypte Arch-Derivat Manjaro. Die Entscheidung zwischen beiden fällt schnell: Ich möchte mich nicht stundenlang mit einer kommandozeilenbasierten Installation herumschlagen und wähle daher Manjaro.

Auswahl eines Linux Desktop Environment

Die meist verbreitetsten Desktop Environments sind KDE, Gnome und xfce. Ich habe mit keiner der drei umfassende Erfahrung. Da xfce speziell für leistungsschwache Rechner empfohlen wird, schaue ich mir die anderen beiden Desktop Environments näher an.

KDE orientiert sich an Windows und dürfte für mich intuitiver zu bedienen sein. Aus diesem Grund und zweitens, weil Gnome fast ausschließlich über die Tastatur steuerbar sein soll, bin ich allerdings neugieriger auf Gnome und entscheide mich erstmal damit zu starten. Das schöne an Linux ist ja, dass man jederzeit ein anderes Desktop Environment installieren kann.

Hardware

Ich möchte mein neues Betriebssystem aus zwei Gründen auf neuer Hardware installieren:

Zunächst einmal macht es den Umstieg einfacher, da ich sicher eine Weile brauchen werde, bis das Betriebssystem so funktioniert, wie ich mir das vorstelle und ich in der Zeit meinen bisherigen Laptop zum Arbeiten benötige.

Außerdem war mein letzter Kauf leider ein Fehlschlag. Ich habe mir von MIFCOM einen Laptop aus einem Clevo Barebone und hochwertigen Komponenten zusammenbauen lassen. Leider merkt man deutlich, dass die Komponenten nicht perfekt aufeinander abgestimmt sind. Die Akkus halten keine Stunde, obwohl die CPU im Akkubetrieb unerträglich langsam wird, und die Lüfter übertönen sogar meinen Staubsauger!

Ich hatte vor einigen Jahren schon einmal einen von Schlenker konfigurierten Laptop und auch der war extrem laut. Zwischendurch hatte ich Komplettsysteme von Asus und MSI. Mit denen war ich deutlich glücklicher. Von daher werde ich mich bei der Recherche auf Laptops namhafter Hersteller beschränken.

Meine Anforderungen

Ich arbeite seit über zehn Jahren mit 17-Zoll-Laptops, insbesondere da ich bis vor einigen Jahren sehr viel mobil gearbeitet habe. Mittlerweile sitze ich meistens am Schreibtisch und habe dort ohnehin zwei 27”-Monitore angeschlossen. Von daher würde ich gerne einen 15,6-Zöller testen.

Meine Anforderungen:

  • 15,6”
  • Schickes Design, niedriges Gewicht
  • Leiser Lüfter!
  • Aktueller i7-Prozessor der H-Serie
  • 32 GB RAM + 2 TB SSD; da dies nur im Preissegment ab 3.000 € angeboten wird, alternativ ein Gerät, bei dem RAM und SSD einfach austauschbar sind

Ich schaue der Vollständigkeit halber auch auf der Apple-Seite vorbei und verlasse diese schnell wieder, nachdem Apple mir den Preis für meine Wunschkonfiguration ausspuckt: sage und schreibe 4.719 Euro! Ich schätze: die gleiche Leistung bekomme ich für die Hälfte!

Shortlist

Nach einer Stunde Recherche habe ich folgende Shortlist zusammengestellt:

  • MSI GS65 Stealth (ich hatte bereits einmal ein MSI GS72 und war sehr zufrieden damit)
  • MSI P65 Creator (nahezu baugleiches Modell, in anderen Farben)
  • Dell XPS 15 9570
  • Asus ZenBook Pro UX550 oder UX580
  • HP ZBook Studio G5

Das HP schließe ich direkt wieder aus, da es bei gleicher Konfiguration etwa 20 % teurer ist als die anderen Geräte. Auch das Asus fliegt wieder aus der Shortlist, da es dieses nur mit maximal 16 GB RAM gibt und der Arbeitsspeicher sich nicht erweitern lässt. Nachdem ich einige Reviews gelesen habe, entscheide ich mich für das DELL-Gerät, da dieses erstens besser verarbeitet sein soll als die MSI-Geräte und zweitens der Austausch von RAM und SSD bei MSI erfordert, dass man das Mainboard aus- und wieder einbaut, was für Ungeübte nicht einfach sein soll und das Risiko birgt das Gerät zu beschädigen. Beim DELL hingegen sind RAM und SSD auf der Unterseite direkt erreichbar.

Komponenten

Ich bestelle mir den DELL XPS 15 9570 in der kleinsten Variante mit 8 GB RAM und 256 GB SSD (Modell CTXKW) – dazu 32 GB RAM und eine Samsung 970 EVO Plus mit 2 TB:

Summe: 2.152,74 Euro – das liegt sogar noch 200 Euro unter der Hälfte des MacBook-Preises! Unbeachtet dessen, dass ich die ausgebauten 8 GB RAM und 256 GB SSD theoretisch noch vom Preis abziehen müsste.

Na gut, das Retina Display des MacBooks habe ich nicht berücksichtigt. Den DELL mit UHD/4K-Auflösung (60% mehr Pixel als Retina) gibt es für 1.949,00 €, also 444 € mehr. Damit wäre ich in Summe bei 2.596,74 €, das sind 55 % des MacBook-Preises. Theoretisch abziehen könnte ich hier noch die ausgebauten 16 GB RAM und die 512 GB SSD.

Tipp: Selbst wenn es eine für euch passende Variante des DELL XPS 15 gibt, z. B. mit 16 GB RAM und 500 GB SSD, dann ist es immer noch günstiger die kleinere Variante zu nehmen und zusätzlich RAM und SSD zu kaufen. DELL schlägt bei den Extras nämlich ordentlich Marge auf.

Zusammenfassung

Es ist für mich an der Zeit Linux auf dem Desktop zu installieren. Ich habe einen DELL XPS 15 9570 bestellt und werde darauf Manjaro-Linux mit dem Gnome Desktop Environment installieren, um damit eine Zeitlang zu arbeiten und evtl. langfristig von Windows auf Linux umzusteigen.

Während ich auf den Laptop warte („Lieferung in ein bis zwei Werktagen“), werde ich mich in die Installation von Linux einarbeiten. Die wichtigsten Grundlagen dazu lest ihr in Teil 2: Linux-Installation Grundlagen: BIOS, UEFI, MFB, GPT, GRUB, SEDs, LUKS.

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